RAPKARTELL

Brotha Lynch Hung – Dinner And A Movie


„24 Deep,“ „Season Of Da Siccness,“ „Loaded“ und „Lynch By Inch“ – jedes der seit 1993 veröffentlichten „richtigen“ Alben von Kevin Mann alias Brotha Lynch Hung war auf seine Weise ein richtig gutes. Dennoch hat der Mann aus Sacramento in den sieben Jahren nach seinem letzten Album einiges getan, um seinen guten Ruf zu beschädigen, als da wären unnütze Mixtapes, mehr oder weniger belanglose Kollabo-Alben mit MC Eiht oder COS und Best Ofs, die ohnehin niemand braucht. Mit dem Wechsel zu Tech N9NEs Label Strange Music 2009 kam dann offensichtlich die Wende zum Guten, sodass 2010 dann endlich das knapp acht Jahre lang angekündigte fünfte Soloalbum „Dinner And A Movie“ fertiggestellt und veröffentlicht wurde. Das Konzept: Der Hörer folgt einem Serienkiller, der Rapper abschlachtet.

Wie eigentlich jedes Album von Lynch zeigt DAAM einen für ihn neuen Sound, der in diesem Fall wohl besonders auf das neue Label zurückzuführen ist. Der ehemalige Stammproduzent Phonk Beta ist überhaupt nicht vertreten, auch Lynch selbst hat mit „Anotha Killin“ nur einen einzigen Beat produziert, der allerdings nicht gerade zu den besseren zählt. Die Produktion wurde ansonsten von mir unbekannten Namen wie Axis, Seven, DJ Epik, Young MC, N-Pire und Freddy Machete übernommen, die ihre Sache allerdings alle ziemlich gut gemacht haben. Die Beats sind wie bei Lynch üblich düster gehalten, sind dabei jedoch deutlich temporeicher als etwa die schleppenden Beats auf „Loaded.“ Die vielen Soundeffekte und Skits tragen noch dazu bei, eine abgrundtief finstere Atmosphäre zu erzeugen, wie sie schon immer am besten zu Lynch gepasst hat.

Er selbst macht das, was er am besten kann: Abgesehen von dem sehr persönlichen und nachdenklichen „I Tried To Commit Suicide“ erzählt er von Mord, Schizophrenie oder Drogenkonsum in einer Art und Weise, die den meisten Horrorfilmproduzenten die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen würde. Das Ganze trägt er in einem Tempo vor, das man von ihm seit Mitte der 90er nicht mehr gehört hat. Unterstützt wird er dabei in erster Linie von G-Macc und dem alten Weggefährten First Degree The DE, selbst Snoop Dogg, Daz und Kurupt sind auf „Anotha Killin“ zu hören. Auch der neue „Chef“ Tech N9NE gibt sich auf dem grandiosen „Dont Worry Momma, It’s Just Bleeding“ die Ehre.

Und so gibt es viel positives zu vermerken. Abgesehen von „Meat,“ „I Plotted (My Next Murder)“ und dem angesprochenen „Anotha Killin“ ist jeder Song absolut hörenswert, mit „Nutbagg,“ „Sit In That Corner Bitch,“ „Murder Over Hard,“ „Split Personality“ und eben „Dont Worry Momma, It’s Just Bleeding“ sind sogar mehrere Bomben dabei. Abzüge in der B-Note gibt es allerdings für die Vielzahl an Skits, die den Hörfluss auf Dauer schon stören können. Insgesamt bleibt allerdings die schöne Erkenntnis, dass Brotha Lynch Hung es nach bald 20 Jahren im Spiel immer noch drauf hat. Bleibt noch zu hoffen, dass es bis zum nächsten Album nicht wieder sieben Jahre dauert.

6,5/10

2010 Strange Music