Dice – Drug Abuse
Dass Talent und soziale Verträglichkeit nicht unbedingt zusammengehören, beweist Dice seit nunmehr 18 Jahren im Rapgame. Mit nahezu allen alten Weggefährten hat er es sich über die Jahre verscherzt, sei es Esham, der sein Meisterwerk „Theneighborhoodshittalka“ produziert hatte oder das gesamte Label Fallen Angelz, auf dem er „Black Monday“ veröffentlichte, sich im Anschluss jedoch nicht an seinen Vertrag halten wollte, was zur Folge hatte, dass seine letzten beiden Alben „Neighborhood Watch“ und „Drug Abuse“ nur in sehr geringer Auflage gepresst und über eBay verkauft werden konnten. Einzig Razzaq aka Pervert Pastor ist die ganzen Jahre über dabei geblieben, was aber wohl daran liegen dürfte, dass er und Dice einfach nur ähnlich durchgeknallt im Kopf sind.
Schon immer waren die harten Realitäten des Lebens im 7 Mile Ghetto von Detroit das zentrale Thema von Dice, und auch sein fünftes Soloalbum „Drug Abuse“ bildet da keine Ausnahme – hier geht es fast ausnahmslos um Drogen, sowohl aus der Verkäufer- als auch aus der Konsumentenperspektive. Das 2008 veröffentlichte Album, auf dem Dice jeden einzelnen Track selbst produziert hat, beginnt mit „I Sell Drugz“ und „Dice Iz King“ gleich mal so stark, dass man schon ein richtiges Highlight erwarten könnte – zwei richtig starke Beats, auf denen Dice wütet wie zu besten Zeiten. Leider flacht das Niveau im Anschluss ganz schnell ab – der Titeltrack „Abusing Drugz“ geht noch klar, dann folgen das belanglose „Love Story“ und das fast schon peinlich schlechte „I Got Bitchez“ mit dem besagten Razzaq. „Daddy“ ist thematisch zwar interessant und sogar packend (es geht um ein Mädchen, dass unter ihrem pädophilen Vater leidet), musikalisch aber äußerst mau. Zum Ende hin wird das ganze wieder hörenswerter: „Dear God“ wäre ohne den nervigen Refrain richtig stark, „Gangsta“ und „Dare He Go“ sind zumindest passabel – und dann ist das Album auch schon vorbei.
10 Tracks, 37 Minuten Spielzeit – dafür haben sich zwei Jahre Wartezeit nicht wirklich gelohnt. Dice beweist zwar, dass er eigentlich noch richtig gut rappen kann, allerdings wird auch deutlich, dass er andere Produzenten (wie Esham oder Kawtion von Fallen Angelz) gut gebrauchen könnte. Zudem schlägt er, wie schon mit „Neighborhood Watch“, den Weg in Richtung ruhigerer Instrumentals und teilweise souliger Refrains ein, obwohl er schon immer dann am besten war, wenn er auf seinen Tracks seine ganze Wut rauslassen konnte – wie eben zum Beispiel bei „Dice Iz King.“ Letztendlich freut man sich zwar über das Lebenszeichen, was bei ihm ja keineswegs selbstverständlich ist, hofft aber auf mehr Glück beim nächsten Mal, falls es eins geben sollte.
4/10
2008 Big Head Records
