Dre Dog – The New Jim Jones
Im Stile eines Meisters präsentiert sich Dre Dog, später als Andre Nickatina unterwegs, bereits auf seinem ersten Album aus 1993. Abzüglich des Intros und zweier Skits bietet der „Most Hated Man In Frisco“ hier eine zehn Tracks lange Onemanshow, die nur vom starken Auftritt von Totally Insane auf „Dirty Ass Rats“ unterbrochen wird. Doch Unterstützung hat dieser Ausnahmerapper sowieso nicht nötig – Dre Dog flowt wie aus einem Guss, hat mit wenigen Ausnahmen auch noch alle Songs zumindest mitproduziert (nur ein Track wurde von T.C. übernommen) und haut dabei ein Zitat nach dem anderen raus, das man so in Stein meißeln könnte. Oder wie er sagen würde: „A lot of motherfuckers may think I’m satanic, but makin’ sick shit from the mind is automatic“ „Most Hated Man In Frisco,“ „Smoke Dope And Rap,“ „Jim Jones Posse“ – das sind alles Songs wie Schläge direkt aufs Maul von allen, die dem Aufstieg Dre Dogs im Weg stehen. Doch auch ruhigere Töne kann der Mann anschlagen, wie er zum Beispiel mit der großartigen Singleauskopplung „The Ave“ oder „Lips“ beweist. Mit „Off That Chewy“ begründet er eine Tradition, die auf den meisten Alben seiner Karriere fortgesetzt wurde – pro Album gibt es einen Accappella Track von ihm zu hören, um auch den letzten von seinem enormen Können zu überzeugen. Alles in allem lässt Dre auf seinem Debüt nicht das geringste bisschen anbrennen und liefert eine beeindruckend souveräne Tour durch die Straßen von Frisco. Er müsste sich höchstens ankreiden lassen, dass das Ganze etwas kurz ausfällt, aber diesen Missstand hat er mit seinem zwei Jahre später gedroppten Meisterwerk „I Hate You With A Passion“ ja ohnehin behoben. Zur Sektengründung im Stile seines Vorbilds Jim Jones hat es zwar nicht gereicht, doch zeigt dieses Album, warum man Dre Dog oder Andre Nickatina nunmehr seit fast zwei Jahrzehnten zu den Größen der Bay Area zählen kann. Große Klasse!
8/10
1993 In-A-Minute Records
