RAPKARTELL

Gangsta Rhyme Posse – Gangsta Rhymin


1996 war die Welt in der kalifornischen Bay Area noch in Ordnung. Hyphy war noch nicht erfunden, stattdessen wurde nach folgendem Rezept Klassiker für Klassiker auf den Markt gebracht: Cover von Phunky Phat Graph-X, Verwurstung altbewährter Funksamples, die Gitarre von G-Man Stan (auf welchem Album war er damals eigentlich nicht dabei?) und Texte über den täglichen Hustle in den Ghettos der Bay Area. Auch die vier Jungs der Gangsta Rhyme Posse aus Hunter’s Point halten sich daran und veröffentlichen mit „Gangsta Rhymin’“ nach dem ’92er „Livin’ In Da Point“ ihr zweites Album, das wie eine Blaupause des damaligen Stils daherkommt. Herrlich entspannt wird in der Singleauskopplung „On The Unda“ über die Geheimhaltung diverser Bettgeschichten schwadroniert, „In It 4 Tha Money“ beschreibt ein ganzes Leben auf der falschen Seite des Gesetzes, mit „Livin’ In Da Point“ wird die eigene Hood repräsentiert und in „Talkin’ Bout You Hoes (Phuck A Bitch)“ noch die übliche Frauenfeindlichkeit an den Tag gelegt. Auch die Features können sich sehen lassen: Luck Dogg legt im stylischen „Killaz Don’t Talk“ einen überragenden Auftritt hin, in der Drogenhymne „Skunk“ sind mit Mac Shawn, Levitti und Suga-T gleich drei Legenden aus Vallejo vertreten und auch die restlichen Gäste wie One Tyme und Velski fügen sich nahtlos ein auf diesem Album, bei dem fast alles richtig gemacht wurde. Man könnte jetzt meckern und sich darüber beschweren, dass hier eigentlich überhaupt nichts neues gezeigt wird; einige Samples wurden schon woanders benutzt, die Texte kann man auch nicht gerade als revolutionär bezeichnen. Doch wie heißt es so schön? Never change a winning system! Die Gangsta Rhyme Posse weiß genau, was sie zu tun hat und lässt dabei aber auch nicht das geringste bisschen anbrennen. „Gangsta Rhymin’“ trieft nur so vor Style und ist ganz klar empfehlenswert für jeden, der dem charakteristischen Bay Area Sound der Mittneunziger etwas abgewinnen kann.

7,5/10

1996 Strapped-4-Life Records