RAPKARTELL

Griffin – De’A'Bo’Leek


„Parental Advisory Strongly Suggested“ steht großspurig auf Griffins erstem Soloalbum „De’A'Bo’Leek“ aus dem Jahr 2005. Der Grund dafür ist natürlich in erster Linie Selbstinszenierung, allerdings kann man die Musik des Mannes aus Richmond wirklich nicht als leicht verträglich bezeichnen. Textlich spart er sich zum Glück bis auf wenige Ausnahmen Ausflüge ins Horrorgenre und bleibt überwiegend bei Straßenthemen, die Beats hingegen sprengen zum Teil die Skala des Finsteren. „Ill“ mit Poorman Dre etwa: dumpfer Bass, gefühlte 3 bpm, ein Griffin, der wie von Sinnen spittet und dazu eine Hook, bei der sich die Nackenhaare aufstellen; „Welcome to your worst dream…“ Atmosphärisch ganz stark.

Überhaupt schafft Griffin es häufig, eine dichte Stimmung aus Gewalt, Verzweiflung und Schizophrenie zu erzeugen – eine willkommene Abwechslung in Zeiten, wo man aus der Bay Area in erster Linie dümmliche Hyphy-Mucke oder sonstige Magerkost von alternden ehemals guten Rappern vorgesetzt kriegt. Griffin ist hungrig und gewillt, auch mal etwas neues auszuprobieren; das merkt man auch an seinem Rapstyle, der mit seinen häufigen Tempowechseln bisweilen etwas an den Skandalrapper Sicx erinnert – die Aussage „Darkxide Records Unleashes Griffin“ vom Cover ist also nicht einmal weit hergeholt. Einige Ausfälle wie etwa „W.E.B.“ oder „Fully Loaded“ kann man verschmerzen, wenn man sie mit den Hits dieses Albums auf die Waage stellt. Beim starken Titeltrack etwa hat Griffin jeden Vers ein zweites Mal mit verzerrter Stimme aufgenommen, um die Wirkung zu verstärken – das hat geklappt. „Damn The Rest“ mit dem Oldie Erase-E zeigt, dass Griffin auch konventionellen Gangsta Rap im Petto hat. Und dann natürlich „Maniacal“: Auf dem besten Track des Albums zeigt Griffin all sein Können. Teilweise in atemberaubendem Tempo spittet er sich die Seele aus dem Leib über einen Beat, der dafür maßgeschneidert wurde. Überhaupt wurde bei der Produktion überwiegend gute Arbeit geleistet, leider werden im Booklet nur „The Mighty Darkxide Productions“ als Produzenten angegeben, was wohl bedeutet, dass auch die Beats von Griffin selbst stammen.

Letztendlich ist dem Mitglied der „Dark Titans“ etwas gelungen, was nicht viele Rapper aus der Bay von sich behaupten können: Er hat in diesem Jahrzehnt ein absolut hörenswertes Album veröffentlicht! „De’A'Bo’Leek“ ist sicher keine Musik für ein breites Publikum, Freunde der etwas härteren Gangart werden an diesem Werk jedoch ihre Freude haben.

7/10

2005 Darkxide Records