Immortal Technique – Revolutionary Vol. 1
Der gebürtige Peruaner Immortal Technique, der allerdings bereits mit zwei Jahren nach Harlem umzog, zeigt mit seinem ersten Album aus 2001 eindrucksvoll, dass er kein gewöhnlicher Rapper ist. Der selbsternannte „resurrected Ché Guevara“ ruft mehrfach zur Revolution an, wettert an allen Ecken und Enden gegen das Establishment und verfügt darüber hinaus über einen Wortwitz, den man selten so zu hören kriegt. „The Prophecy“ beispielsweise ist nur so gespickt von großartigen Zitaten wie „you’ll never get a glimpse of me, attempts to extinguish me don’t even bother me none, like retarted kids throwing ice cubes at the sun,“ auch der Battle-Track „No Mercy“ ist lyrisch absolut beeindruckend. Das wahre Highlight ist allerdings „Dance With The Devil“: Auf langsamer Piano-Untermalung erzählt Technique die Geschichte des Youngsters William, der mit Visionen von Tony Montana im Kopf auf die schiefe Bahn gerät und letztendlich, als Aufnahmetest in eine Gruppe, eine Frau vergewaltigt, die er kurz danach als seine Mutter identifiziert, und sich anschließend selbst das Leben nimmt – der Latino erzählt diese Story mit einer Intensität, dass man auch beim zehnten Hören wieder eine Gänsehaut kriegt. Ganz großes Kino. Hinter „Dance With The Devil“ verbirgt sich anschließend noch ein Battle-Track, bei dem Technique von Diabolic unterstützt wird, welcher ihm an kreativen Punchlines in nichts nachsteht. Auszüge: „In the meantime, you can french-kiss my clenched fist“ „what you preach is worthless, your worship defeat the purpose, like President Bush taking bullets for the Secret Service“ „you’re nothing, like diversity without equality, and your crew is full of more faggots than Greek mythology.“ Bei allem Jubel muss ich allerdings auch sagen, dass sich mit Ausnahme von „Creation & Destruction“ eigentlich jeder richtig gute Track des Albums auf der zweiten Hälfte befindet. Das liegt freilich nicht an Immortal Technique, der eigentlich auf jedem Song ein Feuerwerk abbrennt, sondern an den teilweise doch sehr einfältigen Produktionen. Nichts gegen raue, minimalistische Beats, aber auf einem 2001er Album muss ein Beat wie beim Remix von „Top Of The Food Chain“ nun wirklich nicht mehr sein. Gott sei Dank bleibt das der einzige richtige Ausfall des Albums, ansonsten ist alles zumindest solide. Letztendlich ist „Revolutionary vol. 1“ dann aber doch ein Album, dass man ob der lyrischen Brillanz des Interpreten auf jeden Fall angetestet haben sollte.
7,5/10
2001 Viper Records
