Joker P & DJ Chill – Come N 2 My World
Eins wird sofort klar, wenn man „Come N 2 My World“ anmacht: Joker P aus Baton Rouge, Louisiana ist keiner, der durch Doppelreime oder ausgefeilte Texte auffällig wird – das hier ist kein Rapper, sondern ein Typ, der sich mit CDs ein bisschen Geld legal dazuverdienen möchte. Was dabei herauskommt, sind Reime der einfachsten Struktur, die wohl die meisten Fünftklässler mit etwas Anstrengung auch hinbekommen hätten. Kostprobe gefällig? „It’s all about that motherfuckin’ dollar, but I won’t turn down nothin’ except my collar.“
So weit, so schlecht? Absolut nicht. Denn Joker P hat etwas zu bieten, was mit Gold nicht aufzuwiegen ist und was nicht allzu oft vorkommt bei Rappern: Authentizität. Der Titel „Come N 2 My World“ ist dabei wörtlich zu nehmen, da er etwa in „Tales From The Southside“ oder „Angola Bound“ dermaßen detailliert und glaubhaft beschreibt, wie er Drogen verkauft, Leute umbringt oder im Gefängnis seinen Mann steht, dass man das Gefühl bekommt, ihm dabei über die Schulter zu sehen. Jeder Track des Albums dreht sich ums Leben auf der Straße oder im Gefängnis, Titel wie „Let’s Make A Dope Deal,“ „Shoot 2 Kill“ oder „Gangzta Az I Wanna Be“ (der beste Track des Albums) sprechen hier absolut für sich. Passend dazu übrigens der Name des Labels: Guilty Records…
Untermalt werden seine Stories von Beats der simplen, aber doch sehr eingängigen Art aus der Hand seines Kollegen DJ Chill, welche die ohnehin düstere Atmosphäre seiner Raps noch auf ein neues Level hieven. Den einzigen Gastauftritt des Albums hat Walter T auf „Crazy Ass Nigga,“ der sich anhört, als wäre er nach dem Take direkt wieder auf die Straße gegangen, um irgendwas kaputt zu machen. Diese „Einseitigkeit“ fällt allerdings nicht im mindesten negativ auf, da man einfach merkt, dass dieser Typ keinen Scheiß erzählt. „If I say it than I mean it, I grew up in the motherfuckin ghetto, if you been here then you’ve seen it“
Neben diesem im Jahr 1995 erschienenen Werk hatte Joker P übrigens noch an einem anderen Album entscheidenden Anteil: Gemeinsam mit Silky Slim brachte er als „Bottom Posse“ das Album „2 Saggin Straight From Hell“ auf den Markt. Dies ist zwar auch nicht zu verachten, jedoch hat sich Joker P mit „Come N 2 My World“ sein Denkmal geschaffen. Absolute Empfehlung für jeden, der mit düsterem Gansta Rap etwas anfangen kann!
9/10
1995 Guilty Records
