RAPKARTELL

Triple 6 – Hustlin’ 4 My Paper


San Francisco war in den Neunzigern mit Sicherheit eine der Städte mit der höchsten Qualitätsdichte in Sachen Gangsta Rap; sommerliche, Funk-angehauchte Beats und darüber Geschichten über das alltägliche Leben in der Bay Area, dieses Rezept funktionierte einfach. Die Crew Triple 6 um ihren Frontmann A.D.R. Lavey hingegen veränderten dieses Rezept mit einigen entscheidenden Komponenten. Schon auf ihrem Debüttape „Nothing But Reality“ von ’92 zeigten Frisco von seiner düsteren Seite und mit dem ’96er Nachfolger „Hustlin’ 4 My Paper“ wurde dieser Trend fortgesetzt – hier ist nix mit Sommer, hier wird gemordet, auf die Kirche uriniert, Schweineblut getrunken und vieles mehr, was ich hier gar nicht zu schreiben wage. Nur so viel: das „normalste“ Thema auf diesem Album dürfte Drogenhandel sein… Der Gruß an den Detroiter Skandalrapper Esham in „Hellbound“ erklärt vieles. Idealerweise nutzt die Crew nicht wie viele Interpreten für die Untermalung derartiger Themen Rock-Elemente oder ähnliches – da neben A.D.R. auch die Baylegende The Enhancer an der Produktion beteiligt war, ist das hier klassischer Bay Area Sound, nur eben richtig finster. Die hier behandelten Themen stoßen mit Sicherheit einige ab, wer dem ganzen jedoch eine Chance gibt, wird merken, dass die Mischung aus Bay Sound mit düsteren Elementen wunderbar aufgeht. Jeder der gerade mal sechs Tracks ist ein Brett vor dem Herrn, ganz besonders hervorheben lassen sich hier „Grave Digger“ mit Big Drawz von 2Illeven und das Remake ihres Klassikers „Walkin Assassin“, auf dem sich neben Fly Mar sogar Dre Dog aka Andre Nickatina die Ehre gibt. „Hustlin’ 4 My Paper“ erschien 1996 nur auf Tape, wurde jedoch 2002 mit zwei (ebenfalls großartigen) Bonustracks als CD re-released, ist also leicht zu beschaffen. Ich kann das Ganze nur jedem Fan von Bay Area Sound ans Herz legen. Die einzige Erklärung, warum das Album bis heute eher ein Geheimtipp geblieben ist, liegt für mich in den Themen – musikalisch ist „Hustlin’ 4 My Paper“ nämlich ganz großes Kino.

9/10

1996 Grave Yard Records